[jpg] Sehen ist ein hoch komplexer Vorgang der Visualisierung. Das wesentliche hier in dieser Betrachtung des Sehens soll jenseits des reinen Aufnehmens und Verarbeitens von Informationen sein.

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(cc) Torge Anders

Es ist ein Gang zwischen den Welten, der von beiden Seiten, dem Sehenden und dem Blinden begangen werden kann. Das Problem dieser Wanderung zwischen den Welten ist, der Blinde und der Sehende müssen sich auf die Begehung dieser Welt einlassen.
Fokussieren wir uns auf die Welt der Farben und Formen und bauen eine gemeinsame Welt auf, an der der Sehende als auch der Blinde weitere gemeinsame Welten erobern kann. Wir werden sehen, beide sind nicht so weit voneinander entfernt.
Haben sie schon einmal eine Farbe erklärt, die Form einer Kartoffel oder den Geruch frisch gemähten Grases? Ja! Wenn, dann werden sie die Schwierigkeiten bei der Wortwahl erkannt haben, wobei sie sich mit Hilfskonstruktionen aus der Bredouille gebracht haben.
Erklären sie einmal das Rot einer Tomate, die Form, den Geruch, den Geschmack oder die Festigkeit dieses Gartengemüses. Und was ist mit dem Rot der Paprika, der Peperoni oder dem Rot eines Bordeaux Weines? Es gibt tausende Rottöne, die man beschreiben könnte aber wo man doch im Ansatz der Beschreibung stecken bleibt. Nicht anders ergeht es uns mit den Farben grün und blau die dem RGB Farbraum angehören.
Gut, jetzt sind wir auf der gleichen Position  mit unseren blinden Mitmenschen, wir sehen zwar aber wir können das Sehende schlecht oder unzureichend beschreiben. Der Blinde kann nicht sehen und seine Umwelt nicht beschreiben.

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Von Geburt an blind

Ist es jetzt schlimm, ist es Leid oder ist es eine Behinderung und ist man als Mensch unvollständig wenn man blind geboren wurde? Nein! Vor allen Dingen kann man Blinde nicht auf ihr Blindsein reduzieren und gar von in dunklen Räumen eingesperrten fabulieren.
Normale Eltern nehmen ihr blindes Kind an und werden nach einer gewissen Zeit sich um die Entwicklung des Kindes kümmern. Und sie werden bemerken im Gehirn werden die verschiedenen Farben erzeugt und dann zusammen geführt, dadurch sehen wir bunt. Und das Gehirn eines Blinden ist voll funktionsfähig und muss genauso wie bei einem Sehenden trainiert werden.

Brandywine Black Tomate (C) Bioterra

Die Tomate, man kann sie anfassen, man kann sie schmecken und man kann sie riechen.Das Anfassen bringt den Begriff glatt, weich, rund, elastisch. Der Blinde  riecht und stellt ohne die Rispen vollkommene Geruchslosigkeit fest, er beißt in die Tomate und schmeckt ein stark wässriges Fruchtfleisch. Die Mutter oder der Vater werden diese Tomate als “rote Tomate” bezeichnen.  Das Gehirn bringt diese vier Wahrnehmungen in eine Gesamtwahrnehmung mittels der Synästhesie. Diese Wahrnehmungen sind nun gesamt oder auch einzeln abrufbar. Wird jetzt von rot gesprochen, wird automatisch die Tomate im Gehirn visualisiert. Nur die Tomate eines Blinden ist nicht gleich die Tomate eines Sehenden. Was nun? Neurophysiologen haben herausgefunden, diese Eindrücke, hier die Tomate, werden zwar abgelegt nur wie sie in ihrer Gesamtheit aussehen, dass weiß die Neurophysiologie (noch) nicht. Aber in unserem Fall hindert es nicht. Wir unterstellen jetzt der einfachheithalber einmal, es gebe nur die Farbe rot. Der Blinde wird sich demnach in einer Ausstellung mit Gemälden der Farbe Rot einfinden können. So kann der Blinde eine Ausstellung der Künstler Markus Prachensky oder Rupprecht Geiger schon ungetrübt genießen. Nur, es fehlt noch was. Es fehlen die Beschreibungen (Deskription) zu den Kunstwerken. Dies macht man mit Audioguides. Der Besucher bekommt einen Kopfhörer mit Empfänger. Neben dem Exponat ist je nach Audioguide ein Sensor angebracht oder eine lfd. Nummer die von der Begleitperson eingetippt wird. Wenn nun der Besucher vor diesem Bild steht, wird die Beschreibung an den Besucher übermittelt. Zweckmäßigerweise werden nun die Formen, die Farbschattierungen und die Anordnungen übermittelt. Ist das Bild mit einem dementsprechenden Firnis behandelt worden, kann der Blinde das Exponat auch taktil (berühren) erforschen.

Der geneigte Leser bemerkt nunmehr, blind sein ist zwar eine Einschränkung, die aber mit ein paar Hilfsmitteln nur unwesentlich behindern.
Neurophysiologen und Neurologen sind sich einig, mit den zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln ist der Blinde zu 90% dem Sehenden gleichzusetzen. Wenn man nun bedenkt, dass diese 90% von den Eliten in der Gesellschaft erreicht werden, so sollte die Gesellschaft etwas mehr für die Gruppe der Blinden in unserer Gesellschaft tun.

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Später erworbene Blindheit

Der Unterschied zu den Blinden ist bei dieser Gruppe, sie haben Informationen, die in ihrem Gedächtnis schon vorhanden sind. Die obige Tomate ist in ihrer Ganzheit bei Aufruf sofort vorhanden. Auch wissen sie von Licht und Dunkelheit. Abstufungen von Farben und Formen sind ihnen nicht unbekannt. Trotz allem wird bei der obigen Ausstellung die beschriebene Audio Deskription genauso herhalten müssen, wie bei den blinden Besuchern.

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Was bleibt

Das Wesentliche an unserem Verhältnis zueinander, aber auch an unserem Verständnis ist die notwendige Kommunikation. In diesem Fall die Sprache und damit der Vorrat an Zeichen, Farben und Formen, die wir miteinander austauschen können, um eine Reaktion zu erreichen. Ich habe bewusst die Sehenden mit einem eigenen Kapitel versehen. Denn wenn wir es richtig bedenken, so ist es den Sehenden vorbehalten die Schwierigkeiten zu beseitigen denen Blinde und Sehbehinderte ausgesetzt sind. Es gibt Hilfsmittel, die 70 Richter, eine nicht geringe Anzahl von blinden Rechts- und Staatsanwälte hervorgebracht haben, die ihren Beruf genauso ausüben wie ihre sehenden Kollegen. Ich habe irgendwo von einer weiblichen Richterin gehört, die die Lüge hören kann, was ihre sehenden Kollegen bestätigten.
Was uns in der Gesamtgesellschaft fehlt, ist ein Bewusstsein, ein Bewusstsein, dass in dem Anderen in unserer Gesellschaft eine Chance gesehen wird, die es gilt zu nutzen und nicht auszugrenzen.

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Das zwei Weltenprinzip

An und für sich sollte das selbstverständlich sein in einer sozialen Gesellschaft. Der Starke hilft dem Schwachen, der Große hilft dem Kleinen und diese Einstellung haben wir uns mit der Aufklärung auf unsere Fahnen geschrieben. Das Problem ist nicht der vermeintlich Schwache, sondern die Einstellung der Gesamtgesellschaft zu diesem Schwachen. Denn mit einem immensen Aufwand wird eine Hierarchie der Unterdrückung gegenüber dem Schwachen und Anderen aufrechterhalten, die keinen Nutzen erbringt; denn die Kosten an Hilfsmitteln sind wesentlich geringer als die Ausgrenzung.

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Banner – Joana (c)Linde Arndt

Es ist noch eine Weile hin bis zu unserer Ausstellung “Mit den Händen sehen”. Und dennoch ist es Zeit, schon jetzt den Hintergrund für dieses Projekt aufzubröseln und den eigentlichen Sinn und was wir erreichen möchten in den Vordergrund zu stellen.

Wir möchten Barrieren abbauen. Barrieren, die in vielen Köpfen vorhanden sind, einfach weil es eben so ist, und man keine Hintergrundinformationen hat – oder lieber damit nichts zu tun haben möchte.

Es gibt Geburtsblinde, Blinde die nach Jahren das Augenlicht verloren haben, überraschend Erblindete, die von jetzt auf gleich das Augenlicht verloren haben, sei es durch Netzhautablösung oder Unfälle oder welche Umstände oder körperlichen Gebrechen auch immer. Dinge, von denen kein Mensch verschont sein muß.

Was wir auf keinen Fall wollen – Mitleid erzeugen für die Betroffenen, sondern eher Verständnis, Akzeptanz und menschliche Nähe. Wir möchten bewirken bewusst zu machen, dass ein “miteinander” keine Hürde, sondern eher eine “Herausforderung” ist, der sich nur feige Menschen entziehen, aus Angst, es könne sie mal selbst treffen.
Das ist unsere Message – und dafür steht der KulturgartenNRW e.V. ein.

Wir wissen, dass wir mit Ihnen einen starken Partner haben, der ebenso denkt wie wir. Das Wort “gemeinsam” ist keine leere Hülse, sondern ein starkes Argument, positives zu bewirken.
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Hör da mal rein. Ich könnte es immer wieder hören. Nach I believe ist es einer meiner Lieblingslieder von ihr. Und wir werden es live erleben. Freu mich schon sehr.

Das ist er – der Titel unserer Kunstausstellung im Oktober. Gedruckt ist er von allen Blinden lesbar, die Brailleschrift lesen können.

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Mit unserem ersten großen Projekt in 2017 möchte der KulturgartenNRW ein Zeichen setzen für Gemeinsamkeiten zwischen Blinden, Sehbehinderten und Normalsichtigen.
Bei dieser Kulturveranstaltung unter dem Titel “Mit den Händen sehen” wird die Möglichkeit geschaffen das sowohl die blinden und sehbehinderten Besucher, aber auch die normalsichtigen (mit verbundenen Augen) 20 zeitgenössische hochwertige Gemälde und 10 unterschiedliche Skulpturen haptisch und taktil erforschen.
Als Termin ist Sonntag, der 29. Oktober 2017 ab 11.30 Uhr angesetzt. Die Veranstaltung findet in den barrierefreien Räumen, dem Ratsfoyer und Ratssaal des Rathauses Gevelsberg statt.
Mehr Informationen gibt es hier auf unserer Internetpräsenz https://www.kulturgarten.nrw
Für uns ist es eine Wertschätzung unserer Idee und Arbeit, die durch folgende Unterstützer – den wir von Herzen danken – ermöglicht wird.

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Private Unterstützer:

Wieland Rahn, Gevelsberg

René Röspel, Hagen

 Martina Dietz, Gevelsberg

Alfred Schmidtchen, Ennepetal

 Wilhelm Erfurt, Wuppertal


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M. Aziz El Khiar – ein neuer Name im Kunst- und Kulturbereich, der sicherlich schon bald  für Galerien und Kunstvermittler kein Neuling mehr sein wird. Denn mit seiner Ausstellung am  8. und 9. Juli 2017 im Industriemuseum Ennepetal  wird er  mit seinen Gemälden und Skulpturen in seiner sehr eigenen, urwüchsigen  Art viele  Besucher begeistern. Die eindruckstarken Gemälde sind Ausdruck seiner persönlichen Erlebnisse  und Wahrnehmungen und geprägt von sensiblen Empfindungen, diesich   in ständigem Wandel zwischen Form und Stil bewegen, was ein vielseitiges
Spektrum und ein umfassendes Werk unterschiedlicher Wahrnehmungen hervorbringt. Viele seiner Gemälde erinnern ein wenig an Picasso.

 

Mit nachstehender Einladung möchte er Kunstinteressierte, die neugierig auf ausgefallene Kunstwerke sind zu zwei Tagen ins Industriemuseum Ennepetal einladen.

1970 wurde Aziz in Marokko geboren. Er lebt seid 1996 mit Frau und zwei Kindern in Gevelsberg.

Schon als Kind schnitzte und bastelte er mit Materialien, die er auf der Straße fand. Das dem Holz seine zweite Leidenschaft gehört, welches inzwischen in der Herstellung urwüchsiger  Skulpturen  seinen Niederschlag findet, sieht man auch an seiner Berufswahl. Er ist selbständiger Schreiner in Wuppertal.

Um Ihnen einen kleinen Einblick in die ausgefallenden Werke des Künstlers zu gewähren, hier einige Fotos zur Einstimmung.

Skulpturen

Lassen Sie sich diese aussergewöhnliche Veranstaltung nicht entgehen.

Am Sonntag, dem 9. Juli 2017 endet die Ausstellung um 19 Uhr in der Chillout Lounge mit Sängerin Lina Ammor.

 

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Sommerausstellung
“Verliebt in die verrückte Welt“
Sonntag 25. Juni 2017
Herzlich Willkommen
Margit Hübner Margits Art

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Am Samstag, 24. Juni 2017 um 11 Uhr findet im Verdi-Haus Dortmund, Königswall 26, 44137 Dortmund obige Versteigerung statt.

44 Künstler aus ganz Deutschland haben eines ihrer Werke gespendet, um den Kampf gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel zu unterstützen.
Die Veranstaltung wird organisiert und durchgeführt vom Verein Ostwall 7 bleibt.

Für alle Interessierten hier einmal der Katalog als pdf.

Sun-Jo Collage Linde Arndt

Als wir in 2016 unsere “Vision 100” ins Leben riefen wusste kaum einer der Städte Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg, Schwelm und Sprockhövel, dass neben dem “normalen” Ambulanten Hospiz Emmaus, welches überwiegend für Erwachsene Menschen zuständig ist, auch ein neu gegründetes Ambulantes Kinder- und Jugendhospiz existierte.
Die überaus aktive Öffentlichkeitsarbeit des KulturgartenNRW, die durchaus positiven Bemühungen, diese wunderbare Hilfsorganisation aus dem Dunkeln ins Licht zu holen, hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Mit und nach uns haben sich eine ganze Reihe weiterer Menschen solidarisiert und sich für dieses Ambulante Kinder- und Jugendhospiz stark gemacht, so dass es längst ein Begriff im  EN-Kreis geworden ist.

Insofern verlassen wir dieses Terrain, um andere Menschen  unseres gesellschaftlichen Miteinanders ebenfalls aus dem Dunkel ans Licht zu befördern.
In Deutschland gibt es ca. 1,2 Millionen Blinde und Sehbehinderte, die von einer 2002 erarbeiteten Studie der World Health Organization (WHO) abgeleitet wurden. Deutschland hat keine Meldepflicht für Blinde und Sehbehinderte, deshalb die Ableitung.
Blinde und Sehbehinderte erfahren in der Regel, aufgrund ihrer Möglichkeiten, keine vollwertige gesellschaftliche Integration. Vielfach werden Blinde und Sehbehinderte mit geistig Behinderten (!) gleichgesetzt und erfahren dadurch eine falsche und unzureichende Betreuung und Ausbildung. Zurückzuführen ist dies auf ein mangelhaftes Bewusstsein; denn Blinde und Sehbehinderte können zwar nicht oder nur schlecht sehen, dafür können sie aber intensiver hören und fühlen, womit sie dieses Handicap fast ausgleichen.
Damit Blinde und Sehbehinderte immer einen Weg in  ihrer Behinderung vorfinden, erfordert dies bei den Sehenden ein Bewusstsein, welches die Blindheit, als das begreift, was sie ist, als eine andere Normalität.
Diese andere Normalität erfordert nur die Aufmerksamkeit die wir jedem Menschen entgegenbringen, meinetwegen, das Auskunftsersuchen eines Menschen wann und wo der nächste Bus zu einem Ziel abfährt.

Was kann nun Kunst und Kultur in diesem Zusammenhang tun, um mehr zu erreichen, als lediglich Kunstwerke für diese Menschen zur Verfügung zu stellen?
Mit unserer für Oktober 2017 geplanten Veranstaltung “Blind Date” wollen wir aufrütteln, informieren, bewusst machen und Blinde, Sehbehinderte und Normalsichtige Menschen zusammen führen.

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange.

Bleiben Sie uns gewogen.

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